Bischöfin Hofmann bedankt sich bei Ehrenamtlichen in der Landeskirche

Kassel (medio). Zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember bedankt sich Bischöfin Dr. Beate Hofmann bei den vielen Ehrenamtlichen für ihr Engagement in der Kirche.
Wir dokumentieren ihren Dank im Wortlaut:

«Der heutige 5. Dezember ist der Internationale Tag des Ehrenamtes, ein Tag der Anerkennung und Förderung des vielfältigen Engagements, das Menschen in unserer Gesellschaft erbringen. Auch unsere Kirche lebt vom Engagement und den Talenten vieler.

In den vergangenen Wochen seit meinem Amtsantritt als Bischöfin unserer Landeskirche hatte ich viele Begegnungen mit engagierten Menschen, mit Ehrenamtlichen in den Gemeinden, aber auch mit Hauptamtlichen, die sich nebenbei auch ehrenamtlich für ihre Kirche engagieren. Begeistert hat mich dabei die Vielfalt des Engagements und die Kreativität, die dabei entwickelt wird.
Weit mehr als 40.000 Menschen (2018 EKD-Statistik: 42.321 gesamt, davon 28.893 Frauen und Mädchen) aller Altersstufen engagieren sich allein in den Kirchengemeinden unserer Landeskirche. Mit ihren Gaben und Ideen inspirieren sie andere und tragen Sorge für ein lebendiges Gemeindeleben. Ehrenamtliche gestalten Gottesdienste und Weltgebetstage, engagieren sich bei der Kinderkirche oder bei Jugendfreizeiten, besuchen alte oder kranke Menschen, unterstützen Geflüchtete, leiten Chöre oder organisieren Mittagstische, Eine-Welt-Läden, Repaircafés und Upcyclingprojekte.
Auch in der Bahnhofsmission, bei den Tafeln oder der Telefonseelsorge sind zahlreiche Ehrenamtliche aktiv. Mit ihrem Engagement schaffen sie Kontaktflächen und machen Kirche konkret erfahrbar. Viele kirchlich Verbundene sind darüber hinaus auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen aktiv – in der Politik, beim Rettungsdienst, in der Quartiersarbeit, bei Mahnwachen oder in der Fridays-for-future-Bewegung. Egal, in welchen demokratischen Kontexten sie sich einbringen: ihr Engagement trägt dazu bei, Beziehungen zu knüpfen, Gutes zu bewirken, Entwicklungen zu fördern und die Gesellschaft in schwierigen Zeiten zusammenzuhalten.
2019 war für die EKKW ein besonderes Engagementjahr: Am 22. September wurden die neuen Kirchenvorsteher*innen gewählt. Landeskirchenweit haben sich fast 7.000 (genaue Zahl: 6801) Kandidatinnen und Kandidaten für diese wichtige ehrenamtliche Leitungsaufgabe zur Wahl aufstellen lassen. Das ist großartig und verdient einen besonderen Dank! Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen sagen, „ja, das mache ich.“ Sechs Jahre lang die Gemeinde leiten – zumal in einer Zeit, in der uns als Kirche mitunter ein rauer Wind entgegenweht, in der die Mitgliederzahlen rückläufig sind, und in der die berufliche Arbeitsdichte und der Zwang zur Flexibilität es nicht leichter machen, sich für ein regelmäßiges, dauerhaftes Engagement zu entscheiden. Die dennoch hohe Bereitschaft, GERADE JETZT ein Vorstandsamt zu übernehmen, hat mich sehr beeindruckt und gefreut.
Zumal es ja in der Regel nicht mit den monatlichen Sitzungen getan ist – viele Kirchenvorsteher*innen engagieren sich darüber hinaus im Kirchendienst oder wirken bei Aktionen, Festen und Projekten mit. Studien zeigen, dass kirchlich Engagierte häufig eine Vielzahl verschiedener Aufgaben übernehmen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Kirche im Blick haben, dass Engagement förderliche Rahmenbedingungen braucht und in einer guten Balance mit anderen Lebensbereichen sein muss, mit der Familie, dem Beruf, der Zeit für sich selbst.
Pausen sind wichtig, und dazu möchte ich Sie auch ermutigen. Innehalten hilft zum einen, Kraft zu schöpfen. Zum anderen können in der Ruhe neue Bilder entstehen und eine Klarheit darüber, an welchen Stellen wir Aktivitäten auch sein lassen müssen, etwa weil sie nicht mehr genug Resonanz finden. Es braucht Freiräume, damit sich Ideen, Kreativität und Begeisterung entfalten können, statt nur am Bestehenden festzuhalten oder im Hamsterrad seine Runden zu drehen.
Begeisterung und gute Rahmenbedingungen fürs Engagement zu erhalten und zu stärken ist notwendig, um als Kirche auch weiterhin ein attraktiver Engagement-Ort für viele zu bleiben.  Nur so haben potenzielle neue Freiwillige Lust darauf, sich einzubringen und die „alten“ verlieren die Lust am Mitgestalten nicht. Deshalb haben wir in der EKKW Standards für die Ehrenamtsarbeit entwickelt, in denen beschrieben ist, wie ein solcher guter Rahmen aussieht. Momentan erarbeitet eine synodale Arbeitsgruppe Empfehlungen, wie es gelingen kann, diese Rahmenbedingungen in allen Winkeln unserer Landeskirche umzusetzen. Die Ergebnisse werden auf der Frühjahrssynode präsentiert.
Es ist mir ein Herzensanliegen, dass Ehrenamtliche ihre Ideen und Talente am für sie passenden Platz einbringen können, in ihrem Engagement Wertschätzung erfahren und sich unterstützt fühlen. Dazu gehören ein gutes Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen, klare Absprachen, Informationen und Fortbildungsangebote. Die landeskirchliche Fachstelle Engagementförderung kann dabei hilfreich sein: Unter www.engagiert-mitgestalten.de finden Haupt- und Ehrenamtliche viele nützliche Tipps, Engagementmöglichkeiten von A – Z, aktuelle Fortbildungsangebote sowie Ansprechparter*innen bei konkreten Fragen.
An dieser Stelle möchte ich aber vor allem Danke sagen, Danke für Ihr Engagement, Ihre Zeit, Kraft, Ihre Gaben und Ihre Kreativität. Ich wünsche Ihnen, dass Sie weiterhin Spaß an Ihrem Engagement haben, gute Erfahrungen machen, Schwierigkeiten meistern und Sinnvolles tun können, für andere, für Gott – aber auch für Sie selbst.»
Herzlich
Ihre
Beate Hofmann
Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck