34. Kasseler Dokfest

34. Kasseler Dokfest

Vom 14. bis 19. November findet das 34. Kasseler Dokfest statt. In Kooperation mit unserer Gemeinde werden zwei Filme gezeigt:

Zur Webseite / Zum Katalog / Tickets: Einzelkarte 7 Euro

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Mittwoch, 15. November / 17:15 / 107 Minuten / Gloria Kino

„Eine Mischung aus Erwartungen, das etwas kommen wird, und dem Umarmen des Zufalls, wie auch immer er eintreten möge.“ Das war der Ausgangspunkt für den Film des Regisseurs Michael Glawogger und seinem Kameramann Attila Boa. Geplant war eine einjährige Reise um die Welt, in dem die beiden ohne striktes Konzept herumreisen wollten, um „so lange zu verharren, bis man erlebt hat, was es zu erleben gibt, und gefilmt hat, was es zu filmen gibt.“ Die Reise führt sie über Italien, den Balkan nach Afrika, sie beobachten Menschen und Tiere, finden Schönheit an den schaurigen Stellen der Welt. Nach 4 Monaten und 19 Tagen der Reise stirbt Glawogger in Liberia an einer aggressiven Form von Malaria. Die Cutterin Monika Willi bleibt mit Bildern und ersten Arbeitsthesen zurück. Im Schneideraum montiert sie noch zu Glawoggers Lebzeiten parallel zu den Dreharbeiten erste Abfolgen von Bildern, die sie gemeinsam „Flächen“ nannten. Nach seinem Tod entsteht der imaginierte Dialog zwischen Monika Willi und dem Filmemacher, um aus einer Idee, die wenig Halt bot, einen Film zu machen. Entstanden ist ein 107-minütges Werk, reich an Bildern und Beobachtungen, rund um die Welt, fliegend, reitend, fahrend. Eine Form des Dokumentarfilms in seiner puristischen Gestalt: Hingehen, aufnehmen, um anschließend eventuell zu einer Wertung des Geschehens zu gelangen. Dieses Projekt war ein Herzenswunsch des Dokumentarfilmers Michael Glawogger: Einen Film zu erschaffen, der niemals zum Stillstand kommt –und wir kommen bei diesem bildgewaltigen Werk aus dem Schauen nicht mehr heraus.

Trailer zum Film:

Regie: Michael Glawogger, Monika Willi
Produktion: Tommy Pridnig, Peter Wirthensohn
Kamera: Attila Boa
Schnitt: Monika Willi
Musik: Wolfgang Mitterer
Ton: Manuel Siebert

Pfarrers Kinder – Punks, Politiker und Philosphen
Samstag, 18.11. / 10:00 / 84 Minuten / Gloria Kino

Die Erwartungen einer Kirchengemeinde an eine Pfarrerstochter in den 1960er Jahren sind leicht zu benennen: Weniger frech als ihre Freundinnen hatte sie zu sein, weniger lustig und weniger egoistisch. Hier waren Spannungen vorprogrammiert.

Die Filmemacherin Angela Zumpe beginnt ihre Erzählung aus der Perspektive der rebellierenden 16 Jährigen, die raus will aus dem Pfarrhaus. Im Film setzt sie ein Mosaik aus alten Fotos, vom Vater gedrehten Super-8-Aufnahmen und Fragmenten aus der jeweiligen Zeit zusammen, geleitet durch die Suche nach dem Mythos „Pfarrhaus“. Was hat es mit den „protestantischen“ Anforderungen an ein vorbildliches Leben auf sich?

Der Film fragt, wie es im Pfarrhaus heute aussieht, in traditionellen oder veränderten Familienkonstellationen. Pfarrerskinder geben Auskunft über ihre Jugend, über Privileg, Last und nicht zuletzt Nachwirkung dieser Herkunft in den eigenen Lebensläufen. Die einen hat die Berufswahl ins Pfarrhaus zurückgeführt, andere haben sich weit davon entfernt. Ein Pastor aus der kirchlichen Opposition der DDR erinnert sich an eine Art Schule der Demokratie mit großen Freiräumen. Eine Ex-Punkerin vom Prenzlauer Berg beschreibt die rebellischen 80er Jahre. Der schwule Publizist Hans Hütt erzählt von häuslicher Gewalt in seinem Elternhaus aber auch davon, dass der Vater später sein Coming-Out akzeptiert hat. Terroristin wurde die schwäbische Pfarrerstochter Gudrun Ensslin als extreme Vertreterin einer Generation, die einstehen wollte für das Unheil, das die Elterngeneration im Nationalsozialismus angerichtet hatte. Aus der  Geschichte sind nicht wenige Fälle eines lebenslangen Ringens mit dieser Herkunft bekannt. Der Film verweilt deshalb auch im Geburtshaus von Friedrich Nietzsche, der profunder Kenner
und schärfster Kritiker des Christentums war. Gleichzeitig schwärmte er von seiner Kindheit im Pfarrhaus.

In vielen Selbstauskünften schwingt ein Hauch von Stolz und Wehmut mit. Man hat Verständnis gefunden in persönlichen Krisenzeiten und ein kaum zu überschätzendes Erbe an literarischer
und musikalischer Bildung für den Lebensweg mitbekommt. Die Filmemacherin fasst es am Ende so zusammen: „Von einem Vorhof der Hölle war meine Jugend im Pfarrhaus weit entfernt. Zumindest so weit, wie von einem Himmel auf Erden.“

Trailer zum Film:

Trailer: »Pfarrer´s Kinder – Punks, Politiker und Philosophen« from Bauhaus Lectures on Vimeo.

Regie: Angela Zumpe
Produktion: Angela Zumpe, Michael Geidel
Kamera: Peter Petrides
Schnitt: Markus Stein
Musik: Ilja Coric
Ton: Björn Geldermann
Weltpremiere