Karlskirche: Gräber entdeckt

Karlskirche: Gräber entdeckt

Im Zuge der Renovierung der Kasseler Karlskirche gab es einen überraschenden Fund. Ein Bauarbeiter hat unter dem Bodenbelag 27 Grabanlagen entdeckt.

Überrascht vom Gräberfund in der Karlskirche: Architekt Oliver Mann, Archäologe Dr. Thilo Warneke, Stadtdekanin Barbara Heinrich, Pfarrerin Inge Bögle, Vorsitzender Dr. Hans Helmut Horn (Kirchenvorstand Kassel-Mitte) und Pröpstin Katrin Wienold-Hocke. Foto: Schaaf ©

Wertvoller Fund
„Für uns ist es ein wertvoller Fund“, sagt Stadtdekanin Barbara Heinrich. Verwunderlich sei, dass das Wissen um die Grabstätten offenbar in den Nachkriegsjahren verloren gegangen sei. Dass die Gräber beim Wiederaufbau in den 1950er Jahren nicht entdeckt wurden hält Dr. Hans Helmut Horn, der Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Kassel-Mitte, für unwahrscheinlich. Damals habe man sich wohl auf den raschen Wiederaufbau konzentriert, so Horn.

40 Bestattungen zwischen1714 und 1797
Die Grabstellen wurden unter der Leitung des Ahnataler Archäologen Dr. Thilo Warneke zum großen Teil freigelegt. Einige Grabkammern sind mehrfach belegt. Verzeichnet sind, dies geht aus Akten aus dem Staatsarchiv Marburg hervor, 40 Bestattungen. Diese fanden im Zeitraum zwischen 1714 und 1797 statt.

„Die Bestatteten gehörten zur Kasseler Oberschicht, viele Adelige sind darunter“, sagt Warneke. Als erste wurde 1714 die erst dreijährige Tochter des italienischen Herkules-Baumeisters Francesco Gueniero bestattet. Eindeutig zuweisen lässt sich nur das Grab für den 1758 in der Schlacht bei Sandershausen gefallenen Achilles von Broglio.

Durch die Ritzen gefallen: 20 Münzen
Nachgewiesen wurden auch die Fundamente der ehemals zweigeschossigen Empore der Karlskirche, ebenso Fundamente von erhöhten Sitzreihen am Rand des Gebäudes. Gefunden wurden außerdem 20 Münzen aus den Jahren 1688 bis 1874. Der Fußboden bestand ehemals aus Holzdielen, durch dessen Ritzen die Münzen gefallen waren.

Schatzsucher
Bei einem Umbau der Kirche, der wohl 1893 stattgefunden habe, stießen Arbeiter auf eines der Grabgewölbe, so Warneke. Einer von ihnen öffnete zwei Gräber, um sie nach Gold zu durchsuchen – er fand jedoch nichts. Seine Enttäuschung darüber schrieb er in einem Grab an die Innenwand: „Nach Gold gesucht, nigs gefunden“.

Laut Warneke war eine Bestattung in der Kirche seinerzeit kostspielig. Die Gräber und menschlichen Überreste sollen trotz Sanierung dort verbleiben.

Besichtigungen möglich
Besichtigungen der Grabanlagen in der Karlskirche sind nur in einem kurzen Zeitraum möglich, da die Bauarbeiten dann fortgeführt werden.

Öffnungszeiten für Besichtigungen:
Samstag, 14.07.2018 von 10.00-12.30 Uhr
Montag, 16.07.2018 von 16.00-18.00 Uhr
Dienstag, 17.07.2018 von 16.00-18.00 Uhr

Der Zugang zur Karlskirche erfolgt auf der Rückseite der Kirche an der Frankfurter Straße.

Spenden für die Renovierung der Karlskirche
Für die Renovierung der Kirche werden Spenden erbeten. Eine Spendenaktion dazu ist im vergangenen Herbst angelaufen. Durch den Fund der Grabanlagen werden die Kosten steigen, da die Bodensanierung nicht in den geplanten Weise durchgeführt werden kann.

Spendenkonto:
Kirchengemeinde Kassel-Mitte / Karlskirche
IBAN: DE78 5205 0353 0000 0549 91
BIC: HELADEF1KAS
Stichwort: Sanierung der Karlskirche

(12.07.2018)