PREDIGT

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In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen hier verschiedene Prediger ihre in der Friedenskirche (und Apostelkapelle) gehaltenen Kanzelreden.

 

Predigt zur Konfirmation II
Miserikordias Domini, 5. Mai 2019
11.30 Uhr Friedenskirche

Pfarrer Matthias Meißner
Predigttext: Josua 1,1-9

 

1 Nachdem Mose, der Knecht des HERRN, gestorben war, sprach der HERR zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener: 2 Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gebe. 3 Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe. 4 Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein.  5 Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. 6 Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.
7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, auf dass du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. 8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen, und du wirst es recht ausrichten. 9 Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Mit der Konfirmation habt ihr einen Abschnitt im Leben erreicht. In diesem einen Jahr seid ihr sichtbar gewachsen und habt euch weiterentwickelt. Mit eurer Konfirmation werdet ihr vollwertige Mitglieder in der Gemeinschaft der Christen, dürft z.B. ein Patenamt übernehmen. Aber auch in anderen Bereichen des Lebens traut man euch jetzt viel mehr zu. Ihr lasst die Kindheit hinter euch und betretet die Welt der Erwachsenen.

Wir haben eben von Josua gehört. Viele Jahre waren die Israeliten mit Mose und Josua auf dem Weg durch die Wüste in das versprochene Land. Nun steht der Einzug in das ersehnte Land unmittelbar bevor. Mose stirbt. Josua muss jetzt die Israeliten in das neue Land führen. Für Josua ist das eine große Aufgabe. Hoffnungen und Befürchtungen stehen gleichermaßen vor ihm. Er bekommt den Auftrag von Gott: So mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gebe. Und er bekommt für seinen Auftrag Hilfe zugesprochen: Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.

Vor euch liegt neues Land. Am vorletzten Dienstag vor den Osterferien habt ihr aufgeschrieben, worauf ihr euch nach eurer Konfirmation freut. Ihr freut euch darauf, das Geld auszugeben, auf einen freien Dienstagnachmittag und damit auf mehr Zeit für Freunde und Schule. Auf die Sommerferien, weil das letzte Halbjahr so stressig war, auf den neuen Marvel-Film, auf die EM oder die WM, auf das Ariana-Grande-Konzert im Oktober, auf den Geburtstag und auch Weihnachten wurde schon genannt.

Ihr habt auch über Schwierigkeiten und Ängste geschrieben im Blick auf das, was euch erwartet. Eine hat Angst davor, die Versetzung nicht zu schaffen, eine ist beunruhigt über ihre Präsentation vor den Schülern und Eltern, eine hat Angst vor der Arbeiten-Phase und Referate zu halten. Eine schreibt: „Nach den Osterferien muss ich ein wichtiges Referat halten, von dem meine Zeugnisnote abhängt. Ich habe Angst davor, vor der ganzen Klasse zu stehen und mich zu blamieren, wenn ich mich verspreche oder sonst einen Fehler mache.“ Und eine Angst bezieht sich gerade auf unseren Gottesdienst: „Dass ich bei der Konfirmation hinfalle (voll peinlich!)“ Ihr erinnert euch noch an unsere Gespräche im kleinen Kreis in den letzten Wochen nach dem Konfirmandenunterricht. Einige von euch konnten sich auf diese Frage einlassen: Wie geht es dir im Moment? Mich hat bewegt zu hören, wie viele von euch eine Last in der Schule, zu Hause oder im Kreis der Freundinnen und Freunde tragen. Und derartige Ängste, aus sich herauszugehen und sich vor den anderen zu zeigen, können schwer auf der Seele lasten.

Josua soll vorangehen und die Leute in das neue Land bringen. Konflikte sind zu erwarten. Im neuen Land wohnen ja schon andere, ein Konflikt, der bis heute zwischen Israeliten und Palästinensern aktuell ist. Von Josua wird nicht erzählt, dass er Angst hat. Aber es ist auffällig, wie eindringlich dieser Zuspruch an Josua ergeht: Sei getrost und unverzagt. Dreimal wird dieser Zuspruch fast wie eine Mahnung wiederholt. Verschiedene Übersetzungen sind möglich: Sei getrost und freudig heißt es in der alten Lutherübersetzung, die sich Mathilde bewusst als Konfirmationsspruch gewählt hat. Sei mutig und stark (Einheitsübersetzung). Sei tapfer und entschlossen (Gute Nachricht). Du brauchst ein gewisses Maß an Entschlossenheit und Durchsetzungskraft, um gut durchs Leben zu kommen: Hier bin ich, ich bin da. Ich will etwas. Ich brauche Platz und Aufmerksamkeit. Neuland liegt vor dir, Schule, Liebe, Ausbildung. Wenn du Neuland betrittst, bist du erst einmal die Kleine oder der Kleine. Du weißt noch nicht genau, wie es läuft. Und da gibt es Alteingesessene, gegenüber denen du dich behaupten musst. Da darfst du nicht zurückstecken oder nachlassen. Sei getrost und unverzagt.

Dieser Zuspruch ist mit der Aufforderung verbunden, dass du das Gesetz Gottes beachtest. Lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht. Jesus hat es so zusammengefasst: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Mt 22,35-38). Gott lieben, der in allen Dingen ist, in der Schöpfung, in allen Kreaturen, in der Natur, in Wäldern, Wiesen und Meeren, im gefährdeten Klima. Und deinen Nächsten lieben, deinen Mitmenschen, die Armen, die Benachteiligten, sogar deinen Feind. Gott lässt über alle seine Sonne aufgehen. Und dich selbst lieben mit deinen Stärken und mit deinen Fehlern. Alle und alles ist in Gott miteinander verbunden. Dieses Gesetz kann man lange betrachten, Tag und Nacht. Wir haben es ansatzweise im Konfirmandenunterricht versucht. Ich wünsche mir, dass ihr es weiter in eurem Leben tut, dass ihr daraus Mut und Kraft schöpft.

Meinst du, dass der Glaube, dass das Vertrauen zu Gott auf dem Weg durch schöne und schwere Wegstrecken hilft? Das war die dritte Frage. Im Großen und Ganzen antwortet ihr mit „ja“, allerdings mit Einschränkungen.

– „Ich denke, dass jeder ein Schicksal hat und nicht direkt, dass Gott den Menschen immer hilft oder so.“

– „Ich denke, dass es Leuten Kraft gibt und sie bestärkt werden, wenn sie glauben, dass es jemanden gibt, der für sie da ist und ihnen hilft. Sie haben vielleicht auch mehr Mut etwas Neues zu wagen, wenn sie denken, dass jemand sie liebt, auch wenn sie Fehler machen.“

– „Bei jedem ist es anders. Bei mir ist es öfters, dass ich an Gott glaube, dass er mir hilft.“

9 Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. Natürlich kann man Glauben, Vertrauen und Zuversicht nicht befehlen. Aber die Worte werden hier so eindringlich gesagt, dass sie schon bewirken, wozu sie einladen. Je intensiver du diese Worte hörst, desto mutiger wird dein Herz. Und mehr als du an GOTT glauben kannst, glaubt GOTT an dich: Dass du mit Freude das neue Land betrittst, dass du dich zeigen und bestehen kannst, dass du die Schwierigkeiten bewältigst, dass du gut bist und schön, wunderbar gemacht. Lass dich von diesem Glauben GOTTES an dich anstecken.

Jesus hat zu diesem Vertrauen auf ähnliche Weise eingeladen, Emilia und Laura haben sich das Wort als Konfirmationsspruch ausgesucht (Matthäus 7,7-8): Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Amen.

Titelfoto medio.tv/schauderna