PREDIGT

PREDIGT

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen hier verschiedene Prediger ihre in der Friedenskirche (und Apostelkapelle) gehaltenen Kanzelreden.

 

Predigt zur Konfirmation I
Miserikordias Domini, 5. Mai 2019
9.30 Uhr Friedenskirche

Pfarrer Matthias Meißner
Predigttext: Matthäus 14,22-33

 

22 Und alsbald drängte Jesus die Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm ans andere Ufer zu fahren, bis er das Volk gehen ließe. 23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein. 24 Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem Meer. 26 Und da ihn die Jünger sahen auf dem Meer gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. 27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!
28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! 31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und sie stiegen in das Boot und der Wind legte sich. 33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Wie schnell kann man in schwierige Situationen geraten, manchmal sogar in lebensbedrohliche. Dass die Jünger am Abend eines anstrengenden Tages noch einmal an das andere Ufer des Sees Genezareth fahren, tun sie nicht freiwillig. Jesus drängt sie dazu. Dabei lässt er seine Jünger allein, er fährt nicht mit. Und als sie schon weit vom Ufer entfernt sind, steht ihnen der Wind entgegen und sie kommen durch die hohen Wellen in Seenot. Und dann passiert noch etwas ganz Merkwürdiges. Mitten in den Wellen und im Sturm sehen sie Jesus auf dem Wasser gehen. Die Jünger geraten in Panik. Ist das ein Gespenst, ein Zombie? Sie schreien. Die Not und die Angst sind groß.

Warum diese Geschichte an diesem Freudentag? Weil es darum geht, ob der Glaube alltagstauglich ist und krisenfest. Ich behaupte einmal: Das, was die Jünger hier erleben, ist uns in kleinerem oder größerem Maße vertraut. In den letzten Wochen hatten wir jeweils nach dem Konfirmandenunterricht Gespräche im kleinen Kreis. Thema war: Wie geht es dir im Moment? In vielen Gesprächen hat mich berührt, was ihr als Jugendliche schon zu tragen habt: Eigene Krankheit, Krankheit eines nahen Familienangehörigen, Tod einer nahestehenden Person, schlechte Noten in der Schule, erlittenes Mobbing, die Angst, nicht zu genügen, die Angst, aus sich herauszugehen, um nur einige Beispiele zu nennen. Beinahe jede oder jeder hat mit so einem starken Wind, wenn nicht gar mit einem Sturm zu kämpfen. Das sind keine Kleinigkeiten, manchmal geht es ums Ganze!

Jesus auf dem Wasser erhebt die Stimme: Ich bin’s; fürchtet euch nicht! So wie es in vielen Krisen diese Stimme gibt: Ey, ist doch halb so schlimm, wird schon alles wieder gut werden, bleib mal locker. Einer aus dem Boot steht auf und will es wissen. Petrus, der zu den Mutigen und Vorlauten gehört. Wenn du das wirklich bist und kein Gespenst, keine Illusion, keine Einbildung, dann sag mir, dass ich zu dir kommen soll aufs Wasser. Wenn du das wirklich bist, auf den ich vertraue, dann wollen wir mal sehen, ob ich das auch kann: Auf dem Wasser gehen, über dem Abgrund das Gleichgewicht halten, in der Todeszone balancieren. Petrus, wagt es, Petrus traut sich, Petrus will’s wissen.

In der vorletzten Stunde vor den Osterferien habt ihr schriftlich Fragen beantwortet. Die erste lautet: „Hast du schon einmal eine Mutprobe gemacht? Oder bist du schon einmal in einer gefährlichen Situation gewesen?“ Hier eine Auswahl eurer Antworten:

  • Ich habe schon mal eine Mutprobe gemacht. Ich habe mich dabei ziemlich schlecht gefühlt, da ich etwas tun musste, was ich eigentlich nicht machen wollte. Außerdem hatte ich Angst, dass meine Tat Konsequenzen haben könnte.
  • Ich war 6 Jahre alt und wollte im Schwimmbad vom Sprungbrett springen. Ein Freund wettete, ich schaffe es nicht vom Dreimeterbrett. Ich hab’s dem gezeigt und bin vom Fünfer gesprungen.
  • Gefährliche Situation: Als ich an der Steilküste in Dänemark ohne Schuhe hochgeklettert bin – 70 Meter.
  • Ich bin einmal durch eine Glastür gefallen. Ich hatte Angst.
  • Mich hatten Jugendliche verfolgt.

Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.  Wenn der Meister mich ruft, dann muss es doch gehen. Bei Jesus sieht es so leicht aus, (alle meisterliche Kunst wirkt leicht), vielleicht ist es für mich auch leicht. Und tatsächlich, es funktioniert. Das Wasser trägt. Petrus glaubt es selbst kaum. Und was machen wohl diejenigen für Gesichter, die im Boot sind und Petrus und Jesus beobachten? Aber dann kommt dieser Moment dazwischen, der Moment in der Mitte. Das Boot ist verlassen und bietet keinen Halt mehr. Bis zu Jesus sind es noch einige Schritte. Und dazwischen, o Gott, dazwischen das aufgewühlte Wasser, der Sturm und das laute Tosen. Kein Halt mehr, hinten nicht, vorne nicht, links nicht, rechts nicht, oben nicht, unten nicht. Die Angst! Petrus beginnt zu sinken. Herr, rette mich!

„Beschreibe, wer oder was dir hilft, wenn du in einer schwierigen Situation Angst hast, es nicht zu schaffen“, lautete die zweite Frage. Eure Antworten:

  • Meine Eltern helfen mir, mein Bruder.
  • Wenn ich Angst habe, in einer Arbeit durchzufallen, dann muntern mich meine Freunde u. Klassenkameraden auf.
  • Ich gehe dann in mein Zimmer, mach die Tür zu und telefoniere per Videoanruf mit meiner besten Freundin, die leider sehr weit weg von Kassel wohnt.
  • Mir helfen meistens meine Eltern, denn sie geben mir immer Mut. Falls sie nicht anwesend sind, reiß ich mich am Riemen und gehe wie ein Stein durch. Im Prinzip helfe ich mir immer selbst.

Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Dieses „sogleich, sofort“ finde ich sehr tröstlich. Petrus war nie wirklicher in Gefahr. Noch bevor er untertaucht, ist die rettende Hand schon da. Und zugleich frage ich mich: Ist das wohl immer so? Kann ich mich darauf verlassen, dass diese rettende Hand im Ernstfall auch bei mir sein wird?

Die dritte Frage lautete: „Meinst du, dass der Glaube in Schwierigkeiten und gegen die Angst hilft?

  • Zwei von euch antworten mit einem schlichten „nein“.
  • Ja, ich denke, der Glaube kann Menschen helfen. Mir hilft er aber nicht.
  • Ich denke, der Glaube an Gott kann in Schwierigkeiten und bei Angst manchmal helfen, aber es kommt auf die Situation an.
  • Das Vertrauen auf Gott kann einem in Not helfen, weil man sich dann in Not nicht alleine fühlt und man somit eine Art Stütze hat.
  • Nein und ja. In Schwierigkeiten auf keinen Fall. Aber gegen die Angst schon. Man kann Probleme „ausbeten“ und so denken, Gott hört zu und sich so besser fühlen.

Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Jesus hat Recht. Unser Glaube ist klein. Das Vertrauen ist nicht groß genug. Der Zweifel mischt sich immer wieder ein. Und auch die Angst. Die Angst unterzugehen. Gott ist manchmal so weit weg. Ich sehe ihn  nicht, ich spüre ihn nicht. Und in solchen Notlagen zeigt es sich dann besonders, wie wenig Vertrauen ich habe, dass Gott mich durchbringt, dass alles gut wird. Warum hast du gezweifelt? Oft höre ich andere sagen: Du musst an dich glauben! Das ist richtig. Aber ich möchte ergänzen: Mehr als du an dich selbst glauben kannst, glaubt GOTT an dich. GOTT hat dich gewollt und will bei dir sein. GOTT traut dir zu, dass du es kannst und du es schaffst. Komm her! Lass dich von seinem Glauben anstecken und vertraue auf Gottes Hilfe und Kraft.

Ich wünsche euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass euch dies in Erinnerung bleibt: Da gibt es eine gute Kraft, die mir hilft und auf die ich immer wieder zurückkommen kann. Es wird viele schöne Situationen in eurem Leben geben, aber auch schwierige. Dabei dürft ihr immer wieder auf Gott vertrauen, auf diese Kraft, die euch hält und trägt. Ihr tragt diese Kraft in euch. In einer anderen Geschichte sagt es Jesus mit folgendem Wort, Angelina und Maximilian haben es sich als Konfirmationsspruch ausgesucht: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt (Markus 9,23).
Amen.

Titelfoto medio.tv/schauderna