Perikopenrevision 2017: Die Neuordnung der Lese- und Predigttexte

Es ist nicht zufällig, welche Bibeltexte im Gottesdienst gelesen und über welche Schriftstellen gepredigt wird. Dafür gibt es eine gemeinsame Ordnung aller evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Sie ist in den Gesangbüchern abgedruckt. In ihren Grundzügen 1958 erarbeitet, ist sie 1978 schon einmal verändert worden.
Für das Jahr 2017 wird bundesweit eine Neuordnung der Perikopen (also der Bibelausschnitte, die im Gottesdienst gelesen werden) vorgenommen. Im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird diese Änderung maßgeblich von Oberlandeskirchenrat Dr. Stephan Goldschmidt betreut. Goldschmidt war zuvor gemeinsam mit seiner Frau OKR’in Inken Richter-Rethwisch bei uns in der Friedenskirchengemeinde Pfarrer. Den aktuellen Entwurf können Sie hier einsehen.
Diese Änderung wird gerade jetzt im Januar an der Umbenennung einiger Sonntage deutlich. Künftig ist die Dauer der Weihnachtszeit stabil und endet mit dem Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar (Maria Lichtmess), am vorhergehenden Sonntag wird also der letzte Sonntag nach Epiphanias gefeiert.
Im Gegenzug ist die Länge der Vorpassionszeit variabel und wird jedes Jahr dem Osterdatum angepasst. Alle Änderungen finden Sie in unserem Gemeindekalender. Die untenstehenden Tabellen zeigen beispielhaft am 4. Advent die Neuordnung.
Pfarrer Matthias Meißner freut sich auf die neue Perikopenordnung

Im vergangenen Jahr wurde in Kassel die neue Perikopenordnung erprobt. Für den Stadtkirchenkreis war die Reihe II ausgelost worden. Matthias Meißner hat die Arbeit mit der neuen Perikopenordnung Freude bereitet. „In der alten Ordnung enthielt die Reihe II zum Beispiel ausschließlich die Episteltexte, also Stücke aus den Briefen des Apostels Paulus und den anderen Briefen des Neuen Testaments. Nun sind die Reihen durchmischt, so dass sich von Sonntag zu Sonntag Texte aus den Briefen, den Evangelien und dem Alten Testament abwechseln“, sagt der erste Pfarrer an der Friedenskirche.
Für Meißner gab es durch die neue Zusammenstellung der Texte für die einzelnen Sonntage erfreuliche Vebesserungen und erklärt beispielhaft: „Am 4. Advent dem Sonntag der Maria, wird nun als Evangelium die Verkündigung des Engels an Maria gelesen, in der alten Ordnung war es der Psalm der Maria, der jetzt gut am Eingang als Psalm gebetet werden kann.“ In der neuen Ordnung wurde der Anteil der Texte aus dem alten Testament gesteigert. Der Pfarrer erläutert: „Um beim Beispiel des 4. Advents zu bleiben, wo es um Empfängnis geht, wird jetzt in der Reihe VI die Geschichte 1 Mose 18 gepredigt, die erzählt, wie die drei Männer Sara und Abraham besuchen und der inzwischen alt gewordenen Sara die Geburt eines Sohnes verheißen, die darüber so überrascht ist, dass sie lachen muss.“
Auch bei den Wochenliedern kam es zu Neubestimmungen, laut Meißner „sind gern gesungene Lieder gegenüber wenig bekannten Liedern bevorzug worden“ und ergänzt, dass das neuere Liedgut ausdrücklich berücktsichtigt wurde.

Wochenlieder am 4. Advent
bisher
EG 9: Nun jauchzet, all ihr Frommen
 künftig EG 11: Wie soll ich dich empfangen Ö  oder EG 19: O komm, o komm, Du Morgenstern

Das Fazit des passionierten Predigers: „Die insgesamt moderate Erneuerung der Perikopenordnung behält die Vielfalt der Texte und Anlässe bei und bringt dabei erfrischende Akzentverschiebungen, die sich in der Gestaltung der sonntäglichen Gottesdienste positiv bemerkbar machen werden.“
Im Stadtkirchenkreis Kassel und damit auch in der Friedenskirche wird nach dem Jahr der Erprobung nicht zur alten Ordnung zurückgekehrt, sondern in der Zwischenzeit bis zur offiziellen Einführung der neuen Ordnung gefolgt.
Hintergrund:
Nach 40 Jahren wurde einvernehmlich zwischen den Kirchen verabredet, eine Überarbeitung der Ordnung vorzunehmen. Dabei sollten die Sonntagsevangelien möglichst stabil bleiben, die Anzahl der Texte aus dem Alten Testament deutlich steigen und geprüft werden, ob Korrekturen in der Ordnung des Kirchenjahres sinnvoll sind. Eine Arbeitsgruppe hatte einen Entwurf vorgelegt, der im Kirchenjahr 2014/15 erprobt wurde.
Dr. Ilsabe Seibt erklärt, erst mit dem Kirchenjahr 2017/18 werde die neue Ordnung dann eingeführt. „Für Sie als Gemeinde wird sich zunächst nicht viel ändern. Aber vielleicht fällt Ihnen doch auf, dass ein Sonntag anders geprägt ist oder dass über einen Psalm gepredigt wird. Auch die vorgeschlagenen Wochenlieder sind verändert worden. Es könnte auch sein, dass ein bekannter Text etwas anders klingt. Denn manche Texte werden schon in der Neufassung der Lutherbibel gelesen, die ebenfalls gerade entsteht“, sagt Dr. Seibt, die im Amt für kirchliche Dienste in Berlin Studienleiterin für Gottesdienst ist. Wer sich über die alte und neue Perikopenordnung, sowie die wesentlichen Änderungen informieren möchte, findet mit dem Vortrag von OKR Dr. Stephan Goldschmidt vor der Gesamtpfarrkonferenz des Stadtkirchenkreises Kassel einen guten Einstieg.
// lk, Stand: 06. Januar 2015 mit EKD-Material;

Symbolbild: medio.tv/schauderna